Mittwoch, 21. Januar 2009

Was verstehen wir unter Mystik?

Mystik hat im Laufe der Zeit einen anderen Sinn bekommen. Man erwartet, wie überall in der heutigen schnelllebigen Zeit, einen schnellen, sichtbaren Erfolg. Man ist dann enttäuscht, wenn der Erfolg kein sichtbarer, sondern ein verborgener ist.

Auf der sichtbaren Ebene ist der Mensch eingeschränkt - bedingt durch den schnellen Erfolg, den er erwartet hat. Die Mystik erwartet den Erfolg im Kern, im Wesen, einen Erfolg durch Begegnungen - und hier ist die Leistung im Äußeren ausgeschaltet. Die Leistungsgesellschaft aber erwartet den schnellen Erfolg, der dann doch nicht eintritt. Man erträgt dann dieses Leben nicht, da man ein Ergebnis erwartet hat, das den Erwartungen entspricht und dann doch nicht da ist. So flüchten dann viele Menschen in den "Rausch" - und dies kommt, weil man sich bisher nur mit den äußeren Seiten des Lebens beschäftigt hat. Die Folge sind Aggression, Frust, um nur diese zu nennen. Man hat die verborgene Seite totgeschwiegen. Mystik will nun sagen, dass sie eine Welt der Verborgenheit ist, und nicht dem Menschen gegenüber - und so sucht man nach Methoden, das Verborgene zu erreichen. Sobald man aber das Verborgene äußerlich erreichen will, ist es nicht mehr verborgen. Man möchte gleich wissen, was kommt, mann will einen schnellen, direkten Erfolg. So wendet man sich der Astrologie zu, die jedoch berechenbar ist, zwar nur mit Wahrscheinlichkeiten, dies aber im Sinne einer Wissenschaft im Äußeren. Das gleiche gilt für den Tarot. Esoterik wird zur Exoterik, da sie nur im Äußeren, im Erscheinenden gesehen und praktiziert wird.
Was aber dann? Diese Fragen werden meist verdrängt. Das Leben im Alltag hat da schon mehr mit Mystik zu tun, wenn man einfach lebt, ohne an das zu denken, was berechenbar ist. Mystik überrascht, man erhaltet etwas, und dem steht keine Leistung gegenüber. Keine erfolgsbezogene Leistung, wie zum Beispiel fasten, oder meditieren - und dann erwartet man sofort den Erfolg. Dies ist nicht mystisch. Steht man aber zum Verborgenen in Beziehung, dannn spürt man eine große, tiefempfundene Freude in sich, man ist "verbunden". Man hat eine strahlende Gesundheit, auch die Freiheit im Glück. Die Beziehung zum Verborgenen ist allein schon ein Wert für die Ewigkeit. Bekommt man also Beziehung zur Mystik, zur Kabbalah - zu allen mystischen "Disziplinen", spürt man ein Gefühl im Leben, das über die Zeit und das Leben erheben kann. Man gewöhnt sich daran, in Begriffen der Ewigkeit zu denken. Mystik gibt Einsicht in das Leben - und man lernt Methoden, Gnade zu erfahren. Man erfährt Überraschung, man wird im Leben immer mehr überrascht, von Wundern - und man staunt.
Ist es nicht dieses Staunen, die Freude, die das Leben lebenswert machen?

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